WRTC 2026 neu gewertet: Piraten-QSOs, Disqualifikationen und ein neuer Weltmeister

Die ursprünglich am 13. Juli veröffentlichten Ergebnisse der WRTC 2026 gehören der Vergangenheit an. Nach einer umfangreichen Untersuchung wurden vier Teams disqualifiziert und die gesamte Wertung neu berechnet. Der zunächst als Sieger gefeierte Wettbewerbsteilnehmer MB2M mit VE3DZ und UW7LL verliert seinen Titel. Die neuen WRTC-Champions heißen DJ5MW und DM5EE und arbeiteten unter dem Wettbewerbsrufzeichen MB5O. Auslöser der Neubewertung waren unter anderem manipulierte Multiplikator-QSOs, auffällige Frequenzübergaben und Hinweise auf eine mögliche Offenlegung der eigentlich geheimen Teamidentitäten.

Bild: Die neue Spitze der WRTC 2026 nach der offiziellen Neubewertung. Gold geht an MB5O mit DJ5MW und DM5EE, Silber an MB4G mit N6MJ und KL9A, Bronze an MB1T mit K5ZD und W2SC.


Die bisherige Wertung wurde vollständig ersetzt

Am 1. September 2026 veröffentlichte das Organising Committee der WRTC einen umfangreichen Rescoring-Bericht. Darin wird ausdrücklich festgestellt, dass die neue Auswertung die zuvor veröffentlichten Ergebnisse aufhebt und ersetzt.

Den Angaben zufolge erhielt das Judging Committee erst nach der Siegerehrung zusätzliche Hinweise aus der Öffentlichkeit. Diese führten zu einer umfassenden Nachuntersuchung von Logs, Audioaufzeichnungen, Skimmer-Daten und weiteren öffentlich verfügbaren Informationen.

Damit ist auch die frühere Berichterstattung über den Ausgang der WRTC 2026 überholt. Die damals veröffentlichten Platzierungen entsprachen zwar dem zu diesem Zeitpunkt offiziellen Ergebnis, sind nach der nun erfolgten Neubewertung jedoch nicht mehr gültig.


DJ5MW und DM5EE sind die neuen WRTC-Champions

Nach Abschluss der Korrekturen steht das Team MB5O mit DJ5MW und DM5EE an der Spitze der neuen Ergebnisliste. Mit 7.310.308 Punkten gewinnen die beiden die World Radiosport Team Championship 2026.

Auf dem zweiten Platz folgt MB4G mit N6MJ und KL9A. Rang drei geht an MB1T mit K5ZD und W2SC.

Die ersten zehn Plätze der neuen Wertung

  1. MB5O, DJ5MW / DM5EE: 7.310.308 Punkte
  2. MB4G, N6MJ / KL9A: 6.955.083 Punkte
  3. MB1T, K5ZD / W2SC: 6.836.480 Punkte
  4. MB5C, CT1ILT / EC2DX: 6.480.110 Punkte
  5. MB7W, UA4FER / LZ2HM: 6.334.972 Punkte
  6. MB7L, LY9A / LY4L: 6.180.000 Punkte
  7. MB3R, F1AKK / F8DBF: 6.083.469 Punkte
  8. MB7D, LZ3FN / LZ4AX: 6.024.256 Punkte
  9. MB3K, NA8V / N9RV: 5.980.380 Punkte
  10. MB5Z, W0AAE / W4IPC: 5.924.736 Punkte

Auch die Sonderwertungen wurden angepasst. N6MJ und KL9A erreichten 457 Multiplikatoren und erhielten gleichzeitig mit einer Fehlerquote von 0,5 Prozent den Accuracy Award. Die SSB-Wertung gewann MB5Y mit 9A6KX und 9A1UN mit 2.369 Phone-QSOs. Die meisten CW-Verbindungen erzielten LU9ESD und LW5HR von MB5P mit 2.745 QSOs. Bestes Jugendteam bleibt MB5Z mit W0AAE und W4IPC.


Vier Teams wurden disqualifiziert

Das Judging Committee sprach gegen vier Teams eine Disqualifikation aus:

  • MB2M, VE3DZ / UW7LL: Verstoß gegen Regel 12.2 wegen Offenlegung der Teamidentität
  • MB2A, US2YW / IK4VET: Verstoß gegen Regel 12.2 wegen Offenlegung der Teamidentität
  • MB1I, E77DX / DJ4MX: Verstoß gegen Regel 12.2 wegen Offenlegung der Teamidentität
  • MB5Q, RW7K / KU1CW: Verstoß gegen Regel 12.7 wegen nicht verifizierbarer QSOs beziehungsweise Multiplikatoren

Die WRTC betont dabei, dass sich die Disqualifikationen formal gegen die jeweiligen Teams richten. Daraus ergibt sich nicht automatisch eine identische persönliche Verantwortlichkeit jedes einzelnen Operators.

Bei MB1I räumten die beiden Operatoren den beanstandeten Vorgang nach Angaben des Berichts später ein und akzeptierten die Verantwortung für den Verstoß gegen Regel 12.2. Bei MB2M und MB2A wurde hingegen keine vorherige Absprache eingeräumt. Das Judging Committee kam aufgrund der untersuchten Abläufe und Indizien dennoch zu dem Ergebnis, dass absichtlich arrangierte Frequenzübergaben stattgefunden hatten.

Für MB2M hatte die Untersuchung besonders weitreichende Folgen. Bereits nach Entfernung ungültiger Kontakte wäre das zunächst führende Team aus den ersten drei Plätzen gefallen. Die anschließende Disqualifikation führte schließlich dazu, dass MB2M vollständig aus der Wertung verschwand.


Warum die Anonymität der Teams bei der WRTC so wichtig ist

Die World Radiosport Team Championship unterscheidet sich in einem entscheidenden Punkt von gewöhnlichen Amateurfunkwettbewerben: Während des Wettbewerbs soll möglichst niemand wissen, welches Team sich hinter welchem Wettbewerbsrufzeichen verbirgt.

Die Rufzeichen werden den Teilnehmern erst 15 Minuten vor Contestbeginn mitgeteilt.

Diese Anonymität ist ein wesentlicher Bestandteil des Fairness-Konzepts. Wäre bekannt, welches Spitzenteam unter welchem Rufzeichen arbeitet, könnten Freunde, Unterstützer oder andere Teilnehmer gezielt versuchen, diesem Team zusätzliche QSOs oder seltene Multiplikatoren zu verschaffen.

Das würde die Vergleichbarkeit der Leistungen erheblich beeinträchtigen.

Regel 12.2 untersagt deshalb die Offenlegung der Teamidentität vor und während des Wettbewerbs. Auch vorab vereinbarte QSOs oder andere Methoden, mit denen ein Team identifiziert werden kann, sind nicht erlaubt.


Die Untersuchung beschreibt ein dreistufiges Vorgehen

Nach Einschätzung des Judging Committee wurde bei mehreren Fällen ein ähnliches Verfahren angewendet.

Der erste Schritt bestand darin, dass eine externe Station bereits vor Beginn des Contests über einen längeren Zeitraum auf einer bestimmten Frequenz sendete.

Unmittelbar zum Start des Wettbewerbs verschwand diese Station von der Frequenz. Kurz darauf begann dort oder in unmittelbarer Nähe eine WRTC-Station ihren Contestbetrieb.

Für Personen, die über diesen Ablauf informiert waren, konnte dies als Erkennungsmerkmal dienen: Die zuvor belegte Frequenz wurde praktisch zum Hinweis darauf, welches WRTC-Team anschließend dort arbeiten würde.

Im dritten Schritt könnten externe Stationen die so identifizierten Teams gezielt kontaktiert haben. Dabei wurden teilweise Rufzeichen verwendet, die Ländern zugeordnet waren, deren Verbindung einen seltenen oder zusätzlichen DXCC-Multiplikator versprach.

Die Untersuchung ergab laut Bericht, dass solche Kontakte zwar nicht ausschließlich an einzelne Teams gingen. Die Verteilung sei jedoch auffällig ungleich gewesen. Besonders stark profitierten MB2M und MB2A.


Der dokumentierte Frequenzwechsel bei MB2M

Als konkretes Beispiel nennt der Bericht einen Vorgang auf dem 20-Meter-Band.

Die Station EU8E wurde von unabhängigen Skimmer-Empfängern ab 11:19 UTC auf 14.003,5 kHz registriert. Dort blieb das Signal bis 11:59:26 UTC aktiv.

Mit dem Contestbeginn um 12:00 UTC erschien MB2M innerhalb von 100 Hz dieser Frequenz und begann dort seinen Run. Das erste im Log von MB2M eingetragene QSO war ausgerechnet EU8E auf der zuvor von dieser Station belegten Frequenz.

Während der folgenden 24 Stunden wurde EU8E nach Darstellung des Berichts nicht mehr gehört. Die Station reichte kein Log ein und tauchte in den übrigen Contestdaten nur noch in Zusammenhang mit einem als Fehlaufnahme identifizierten Rufzeichen auf.

Das Judging Committee bewertete die Kombination aus zeitlichem Ablauf, Frequenznähe und dem späteren Verhalten der beteiligten Station als Hinweis auf eine absichtlich arrangierte Frequenzübergabe.


Ähnliche Muster bei MB2A und MB1I

Auch bei MB2A beschreibt der Bericht einen vergleichbaren Ablauf.

EV6M hielt demnach ab 11:30 UTC die Frequenz 14.002,2 kHz. Insgesamt 44 Skimmer-Meldungen dokumentierten den Betrieb bis 11:58:47 UTC.

Zum Contestbeginn um 12:00 UTC erschien MB2A innerhalb von 100 Hz der zuvor belegten Frequenz und nahm dort den Wettbewerb auf.

Bei MB1I wurden zwei vergleichbare Vorgänge festgestellt.

E77EA belegte 14.007,0 kHz bis 11:59:39 UTC. Zu den ersten Contestverbindungen auf dieser Frequenz gehörte anschließend MB1I.

Auf 21.007,0 kHz war unmittelbar vor Contestbeginn DA0BCC aktiv. Auch hier gehörte MB1I um 12:00 UTC zu den ersten beiden Verbindungen.

Die Operatoren von MB1I räumten den Vorgang laut Bericht später ein und akzeptierten die Folgen des Verstoßes gegen Regel 12.2.


Was die Grafik zeigt

Die Grafik aus dem offiziellen Rescoring-Bericht dokumentiert die vom Judging Committee untersuchten Frequenzübergaben unmittelbar vor dem Contestbeginn. Anhand von Skimmer-Daten und Zeitstempeln wird dargestellt, wie externe Stationen über längere Zeit bestimmte Frequenzen belegten und diese kurz vor oder zum Start des Wettbewerbs freigaben.

Nach Einschätzung des Judging Committee konnten solche vorher abgestimmten Abläufe dazu dienen, die eigentlich geheim gehaltene Identität eines WRTC-Teams erkennbar zu machen.

Quelle: WRTC 2026 Rescoring Report, 1. September 2026, Seite 10.


15 fremdbenutzte Rufzeichen lieferten wertvolle Multiplikatoren

Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchung betrifft Stationen, die unter den Rufzeichen tatsächlich existierender Funkamateure auf Sendung waren.

Der WRTC-Bericht bezeichnet diese Stationen als Piratenstationen.

Mindestens 15 solcher Rufzeichen wurden identifiziert:

4F3OM, 4K6FO, 4S7KM, 9H1FL, 9M2LAN, 9M8YY, HC5AI, HL2CFY, HZ1TT, OD5NZ, TI1W, XE2IF, YV1LBB, ZP5KO und ZS6WAR.

Dabei handelte es sich nicht lediglich um erfundene Logeinträge. Die entsprechenden Signale waren tatsächlich in Audioaufzeichnungen der WRTC-Stationen vorhanden. Nach den Ermittlungen befanden sich hinter diesen Aussendungen jedoch nicht die rechtmäßigen Inhaber der verwendeten Rufzeichen.

Viele dieser Callsigns waren Ländern zugeordnet, die während eines Wettbewerbs selten vertreten sind. Ein Kontakt mit einer solchen Station konnte daher einen besonders wertvollen DXCC-Multiplikator erzeugen.

Insgesamt identifizierten die Prüfer 435 geloggte Kontakte mit diesen 15 Rufzeichen. Davon entfielen 86 Prozent auf WRTC-Stationen. Zum Vergleich nennt der Bericht für die übrigen Teilnehmer der IARU HF World Championship einen Anteil von lediglich rund 13 Prozent.

Die WRTC kontaktierte die tatsächlichen Inhaber aller 15 Rufzeichen. Bei 13 von ihnen wurde bestätigt, dass sie entweder überhaupt nicht aktiv gewesen waren oder keine WRTC-Station gearbeitet hatten.


Eine auffällige Verteilung der Piraten-Multiplikatoren

Grundsätzlich hatte jedes der 50 WRTC-Teams mindestens einen Kontakt mit einem der später identifizierten Piraten-Rufzeichen im Log.

Der Median lag bei sechs dadurch gewonnenen Multiplikatoren pro Team.

Deutlich aus dem Rahmen fielen jedoch zwei Mannschaften:

  • MB2M: 36 Multiplikatoren
  • MB2A: 32 Multiplikatoren

Das drittstärkste begünstigte Team erreichte lediglich 14 solcher Multiplikatoren.

Besonders auffällig: MB2M und MB2A waren die einzigen Teams, die alle 15 später als Piraten identifizierten Rufzeichen gearbeitet hatten.

Zum Vergleich nennt der Bericht das spätere Siegerteam MB5O. DJ5MW und DM5EE hatten mit mehr als 6.000 QSOs die höchste Rohzahl an Verbindungen im Teilnehmerfeld, wurden jedoch lediglich von einem der 15 Piraten-Rufzeichen gearbeitet.

Die WRTC betont allerdings, dass allein die Anzahl solcher Kontakte keine unmittelbare Beteiligung eines WRTC-Teams an der Piratenaktivität beweist. Deshalb wurden sämtliche entsprechenden QSOs unabhängig vom jeweiligen Team aus allen Logs entfernt.


Der falsche Zonenaustausch von 4S7KM

Besonders interessant ist ein früher Kontakt mit dem Rufzeichen 4S7KM.

Die vermeintliche Station arbeitete MB2A um 12:12 UTC auf 20 Metern und übermittelte auf der Audioaufnahme als ITU-Zone die Zahl 29.

Ein echtes Rufzeichen aus Sri Lanka gehört jedoch zur ITU-Zone 41.

Im Log von MB2A war Zone 41 eingetragen.

Aus diesem Unterschied allein lässt sich keine Absprache ableiten. Das offizielle WRTC-Q&A erlaubte ausdrücklich, dass Loggingsoftware anhand der CTY.dat-Datei Informationen über das DXCC-Land und gegebenenfalls auch die ITU-Zone automatisch vorausfüllt.

Bedeutung erhält der Vorgang vor allem als Indiz für die Verwendung eines fremden Rufzeichens: Der Sender, der sich als 4S7KM ausgab, übermittelte eine Zone, die nicht zu diesem sri-lankischen Callsign passte.

Die Disqualifikation von MB2A wurde nach Angaben des Berichts jedoch nicht auf diesen einzelnen Kontakt gestützt, sondern auf die festgestellte Offenlegung der Teamidentität durch die Frequenzübergabe.


Hinweise auf einen oder mehrere gemeinsame Piratensender

Auch die zeitliche Verteilung der verdächtigen Signale wurde analysiert.

Fünf der verwendeten Rufzeichen, die nominell Stationen in Sri Lanka, Korea, den Philippinen sowie Ost- und Westmalaysia zugeordnet waren, erschienen während der gesamten 24 Stunden kein einziges Mal innerhalb derselben Minute auf Sendung.

Das Judging Committee hält es deshalb für möglich, dass ein einzelner Sender nacheinander unter verschiedenen Identitäten gearbeitet haben könnte.

Eine Sonderrolle nimmt HC5AI ein.

Das echte Rufzeichen war tagsüber tatsächlich aktiv und wurde regulär von Skimmern empfangen. Rund acht Stunden später erschien dasselbe Callsign erneut. Diese spätere Aktivität arbeitete nach Darstellung des Berichts ausschließlich WRTC-Stationen und wurde gleichzeitig von keinem Skimmer registriert.

Nur diese zweite Aktivitätsphase wurde als betrügerisch bewertet.


MB5Q: Ein anderer Sachverhalt führte zur Disqualifikation

Der Fall MB5Q mit RW7K und KU1CW unterscheidet sich deutlich von den zuvor beschriebenen Vorgängen.

Hier ging es nicht um die Offenlegung einer Teamidentität, sondern um QSOs, die nach Angaben des Judging Committee nicht durch die vorgeschriebenen Audioaufzeichnungen bestätigt werden konnten.

Im Log des Teams fanden die Prüfer zehn Verbindungen, die jeweils einen Multiplikator gebracht hätten.

An den entsprechenden Zeitpunkten war auf den vollständigen Audioaufzeichnungen der Station laut Bericht jedoch kein Signal des jeweils geloggten Rufzeichens vorhanden.

Besonders relevant war dabei, dass die Aufzeichnungen nicht unterbrochen waren. QSOs unmittelbar vor und nach den fraglichen Logeinträgen sind hörbar.

Bei einem der beanstandeten Einträge ist auf der Aufnahme sogar eine laute deutsche Station zu hören, die MB5Q genau zu diesem Zeitpunkt anruft. Der Empfänger war demnach weiterhin in Betrieb.

Sechs der acht verwendeten Rufzeichen erscheinen außerdem in keinem einzigen der 5.607 eingereichten Contestlogs. Die beiden anderen Stationen waren zwar tatsächlich aktiv, doch ihre nachweisbaren Verbindungen passten laut Untersuchung nicht zu den von MB5Q beanspruchten QSOs.

Der Bericht hält fest, dass beide Operatoren mit den Belegen konfrontiert wurden. Die Feststellungen wurden demnach nicht bestritten. Eine Erklärung für die fraglichen QSOs wurde nicht gegeben; stattdessen wurde beantragt, die betreffenden Kontakte aus dem Log zu entfernen.

Das Judging Committee disqualifizierte MB5Q anschließend nach Regel 12.7.


Was die Grafik beziehungsweise Tabelle zeigt

Die Abbildung aus dem offiziellen Rescoring-Bericht dokumentiert die zehn als Multiplikatoren geloggten QSOs von MB5Q, für die nach Angaben des Judging Committee in den vollständigen Audioaufzeichnungen keine entsprechenden Funksignale nachgewiesen werden konnten.

Die Untersuchung verglich dabei die Zeitangaben im Log mit den kontinuierlichen Aufzeichnungen der beiden Funkgeräte. Nach Darstellung des Berichts waren andere Signale unmittelbar vor und nach den fraglichen Einträgen vorhanden, nicht jedoch die jeweils geloggten Stationen.

Quelle: WRTC 2026 Rescoring Report, 1. September 2026, Seite 11.


Auch einseitige Unterstützung wurde aus der Wertung entfernt

Neben den Piratenstationen untersuchte das Judging Committee auch Fälle auffällig einseitiger Unterstützung durch externe Funkamateure.

Im Contest-Jargon wird dafür häufig der Begriff „Cheerleading“ verwendet.

Grundsätzlich konnte eine externe Station jedes WRTC-Team maximal zehnmal arbeiten: auf fünf Bändern, jeweils einmal in CW und einmal in SSB.

Dadurch ließ sich analysieren, ob einzelne Stationen bestimmten Teams ungewöhnlich viele der möglichen Kontakte gaben, während andere Mannschaften kaum berücksichtigt wurden.

Zunächst wurden alle Stationen untersucht, die in mindestens fünf WRTC-Logs auftauchten.

31 Rufzeichen hatten einem einzelnen Team mindestens sechs der zehn möglichen Kontakte gegeben und gleichzeitig die übrigen Teams höchstens zweimal gearbeitet.

Nicht jeder dieser Fälle wurde jedoch als Regelverstoß gewertet. Der Bericht weist ausdrücklich darauf hin, dass manche ungleichmäßigen Verteilungen durchaus durch normales Contestverhalten entstehen können.

Für die tatsächliche Korrektur setzte das Judging Committee daher einen strengeren Maßstab an.

Acht Rufzeichen erfüllten diesen:

  • DR0W, DQ2A, DF0WA und DL0LI arbeiteten jeweils alle zehn möglichen Kombinationen mit MB5O.
  • DP4X, DA0BCC und DJ2MX kamen auf neun, neun beziehungsweise acht Kontakte mit MB1I.
  • R3FA arbeitete MB5Q achtmal.

Die drei erstgenannten Rufzeichen im Zusammenhang mit MB1I wurden laut Bericht von einem einzigen Operator verwendet.


Die Kontakte wurden bei allen Teams entfernt

Da die betreffenden Stationen nicht ausschließlich die besonders stark begünstigten Teams gearbeitet hatten, entfernte das Judging Committee ihre QSOs nicht nur aus einzelnen Logs.

Stattdessen wurden die Kontakte dieser Stationen nach dem gleichen Verfahren aus allen 50 WRTC-Logs gestrichen.

Jedes Team verlor dadurch zwischen fünf und 42 QSOs.

Der Bericht betont ausdrücklich, dass daraus kein Vorwurf gegen die Motive der betroffenen WRTC-Teams abgeleitet wurde. Es handelte sich um reale Funkverbindungen mit realen Stationen.

Nach Einschätzung der Jury lag die Initiative für die besonders einseitige Unterstützung bei den externen Stationen.

Die Auswirkungen auf das Endergebnis blieben gering. Der größte einzelne Effekt betrug ungefähr ein halbes Prozent. Keine Platzierung änderte sich allein durch diese Korrektur.


Weitere Auffälligkeiten rund um MB5Q

Bei MB5Q identifizierten die Prüfer zusätzlich eine Gruppe von 13 Rufzeichen:

R3FA, UA7K, UA6KAC, RK7A, RD7K, UA6ARR, RU6K, RA7KY, R6KVA, R6KA, R7KCW, RY7KAB und UB7K.

R3FA gehört damit gleichzeitig zu den bereits zuvor genannten besonders auffälligen Unterstützer-Rufzeichen.

Zusammen lieferten diese 13 Callsigns 82 Kontakte an MB5Q.

Das Team arbeitete alle 13 Stationen, die meisten davon jeweils fünf- bis achtmal.

Nach Darstellung des Berichts lassen sich sämtliche Kontakte dieser Gruppe zeitlich in einer gemeinsamen Abfolge anordnen. Dies führte die Prüfer zu der Einschätzung, dass möglicherweise nur ein oder zwei Operatoren hinter einer größeren Zahl dieser Aktivitäten standen.

Auch mehrere DX-Cluster-Spots für MB5Q könnten nach Ansicht der Untersuchung aus einer gemeinsamen Quelle stammen und zeitlich in dieselbe Abfolge passen.

Die 13 Rufzeichen arbeiteten allerdings auch andere WRTC-Teams. Das am zweitstärksten bedachte Team erhielt 19 Kontakte, zwei weitere Teams jeweils 15 und die übrigen zwischen null und neun.

Daher wurden auch diese QSOs aus sämtlichen betroffenen Logs entfernt. Die Reihenfolge im Endklassement änderte sich dadurch ebenfalls nicht.


Reverse Beacon Network, SDRs und Audioaufzeichnungen als Beweiskette

Bemerkenswert ist nicht nur das Ergebnis der Untersuchung, sondern auch die Art und Weise, wie die Vorgänge rekonstruiert wurden.

Die ersten Hinweise kamen nach Angaben der WRTC aus der Öffentlichkeit.

Anschließend wurden öffentlich verfügbare Contestdaten, Logs, Informationen des Reverse Beacon Network sowie SDR-Aufzeichnungen ausgewertet.

Dadurch konnten beispielsweise Frequenzen über längere Zeit verfolgt und sekundengenau mit dem Beginn des Wettbewerbs verglichen werden.

Eine zentrale Rolle spielten außerdem die vollständigen Audioaufzeichnungen der WRTC-Stationen.

Diese Aufnahmen waren für die Teilnehmer ohnehin vorgeschrieben. Die WRTC-Regeln verlangen nach dem Contest eine vollständige Stereo-Audioaufzeichnung der beiden eingesetzten Funkgeräte.

Im Zusammenhang mit den Piraten-Rufzeichen bestätigten die Aufnahmen, dass tatsächlich Funksignale und QSOs vorhanden waren. Die spätere Untersuchung richtete sich dort gegen die Identität der sendenden Stationen.

Im Fall MB5Q ergab sich dagegen ein anderes Bild: An den beanstandeten Stellen im Log ließ sich kein entsprechendes QSO in den Aufzeichnungen finden.

Der Fall zeigt damit deutlich, welchen Wert eine Kombination verschiedener Datenquellen für die nachträgliche Contestkontrolle haben kann.

Ein klassisches Logchecking kann falsche Rufzeichen, fehlerhafte Rapporte oder nicht bestätigte Verbindungen erkennen. Gezielte Manipulation durch externe Stationen ist wesentlich schwieriger aufzudecken.

Erst das Zusammenspiel von Logs, Skimmer-Daten, SDR-Aufzeichnungen und Stationsaudio ermöglichte die im Rescoring-Bericht beschriebene Rekonstruktion.


Was der Bericht zur WRTC 2023 sagt

Der Rescoring-Bericht beschränkt sich nicht ausschließlich auf die WRTC 2026.

Die Autoren werfen auch einen Blick auf die vorherige Weltmeisterschaft in Italien.

Dort soll eine nachträgliche Analyse beim damaligen Siegerteam I44W mit VE3DZ und UW7LL ebenfalls eine vergleichbare Frequenzübergabe ergeben haben.

Darüber hinaus nennt der Bericht 23 Rufzeichen, bei denen inzwischen eine ähnliche Piratenaktivität vermutet wird.

Insgesamt sollen dadurch 540 QSOs in den Logs der WRTC 2023 entstanden sein. Davon entfielen 53 auf I44W, wobei die meisten dieser Kontakte einen Multiplikator eingebracht hätten.

Für die aktuelle Situation ist jedoch eine wichtige Unterscheidung notwendig:

Die WRTC 2023 wurde mit dem neuen Bericht nicht neu gewertet.

Der damalige Titel wurde durch die Veröffentlichung des Rescoring-Berichts nicht aberkannt.

Ob die neuen Erkenntnisse zu weiteren Untersuchungen oder Konsequenzen führen, bleibt offen.


Ein schwerer Vertrauensverlust für den Wettbewerb

Die WRTC gehört zu den anspruchsvollsten Wettbewerben im internationalen Amateurfunk.

Das Konzept basiert darauf, möglichst vergleichbare technische Voraussetzungen zu schaffen. Ähnliche Stationen, begrenzte Leistung und standardisierte Antennen sollen dafür sorgen, dass vor allem Betriebstechnik, Strategie, Ausdauer und Genauigkeit über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Genau an diesem Prinzip setzen die jetzt untersuchten Vorgänge an.

Wenn Teamidentitäten gezielt erkennbar gemacht werden oder externe Stationen künstliche Multiplikatoren erzeugen, wird dieses Gleichgewicht unmittelbar beeinträchtigt.

Der Schaden besteht deshalb nicht nur aus einigen ungültigen QSOs oder verschobenen Punktzahlen.

Es geht um die Glaubwürdigkeit eines Wettbewerbs, der den Anspruch erhebt, die besten Contestoperatoren der Welt unter möglichst gleichen Bedingungen gegeneinander antreten zu lassen.


Die nachträgliche Korrektur war notwendig

Positiv ist, dass die WRTC-Organisation die Angelegenheit auch nach der bereits erfolgten Siegerehrung weiterverfolgt hat.

Ein offiziell verkündetes Ergebnis nachträglich aufzuheben, Teams zu disqualifizieren und eine umfangreiche Begründung zu veröffentlichen, ist kein alltäglicher Vorgang.

Der jetzt vorliegende Bericht dokumentiert zahlreiche Details der Untersuchung. Dazu gehören Rufzeichen, Frequenzen, Zeitstempel, Verteilungen von Multiplikatoren und die verwendeten Methoden.

Diese Transparenz macht die Angelegenheit nicht weniger gravierend.

Sie ist jedoch eine wichtige Voraussetzung dafür, Vertrauen wiederherzustellen.

Für zukünftige WRTCs wird sich deshalb die Frage stellen, welche zusätzlichen Kontrollmechanismen notwendig sind, um vergleichbare Manipulationsversuche früher zu erkennen.

Möglicherweise wird künftig eine noch stärkere Verknüpfung von Echtzeitdaten, Skimmer-Informationen und automatisierter Analyse erforderlich sein.


Fazit: Neue Champions, aber auch wichtige Fragen für die Zukunft

Die Neubewertung der WRTC 2026 ist ein außergewöhnlicher Vorgang in der Geschichte des internationalen Contestings.

Das ursprünglich veröffentlichte Ergebnis wurde vollständig ersetzt. Vier Teams wurden disqualifiziert. Zahlreiche QSOs und Multiplikatoren wurden nachträglich aus den Logs entfernt.

Am Ende stehen DJ5MW und DM5EE mit MB5O als neue WRTC-Champions 2026 fest.

Der Fall zeigt zugleich, wie empfindlich ein Wettbewerb auf externe Einflussnahme reagieren kann, wenn Identitäten eigentlich geheim bleiben sollen und Multiplikatoren über gezielte Kontakte künstlich beeinflusst werden.

Die Untersuchung macht aber auch deutlich, dass moderne Contestdaten neue Möglichkeiten bieten.

Was früher möglicherweise unentdeckt geblieben wäre, lässt sich heute anhand von Audioaufzeichnungen, Reverse-Beacon-Daten, SDR-Empfängern, Zeitstempeln und digitalen Logs wesentlich genauer rekonstruieren.

Für die WRTC 2026 bleibt damit ein widersprüchliches Bild:

Ein Wettbewerb, dessen Ergebnis nachträglich erheblich korrigiert werden musste – aber auch ein Beispiel dafür, dass eine transparente und konsequente Aufarbeitung selbst nach einer Siegerehrung noch möglich ist.

Quellen:  https://www.wrtc2026.org/wp-content/uploads/2026/09/RescoringDraftSep1A-with-scoreboard.pdf

Orginalbericht von Arndt DC7OT

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Updated: 2. September 2026 — 14:22